Kirchdorf a. Inn. Ein ganz besonderer Tag für das
BRK und die Kreiswasserwacht (KWW) Rottal-Inn – darin waren sich bei der
feierlichen sechsfachen Fahrzeugsegnung mit zweifacher Bootstaufe auf dem
Gelände der Österreichisch-Bayerischen Kraftwerke AG (ÖBK) am Waldsee BRK-Kreisgeschäftsführer
Herbert Wiedemann und die Führungskräfte der Einsatzdienste aus guten Gründen
einig: Die erste gemeinsame Segnungsfeier seit knapp 40 Jahren galt in
verschiedener Hinsicht hoch modernen Einsatzfahrzeugen für die Standorte
Prienbach a. Inn und Simbach a. Inn, beinhaltete bei den in Dienst gestellten
Booten die Namensgebung zur Würdigung verstorbener hoch verdienter
Führungskräfte und Förderer der Wasserrettung am Inn und bildete für die
Wasserwacht den Höhepunkt einer rund 14-jährigen strategischen
Weiterentwicklung.

Zum
„sehr bedeutenden Ereignis“ begrüßte Wiedemann gut 100 Gäste: Vertreter von
Geistlichkeit, Politik, Banken und Wirtschaft, Zweckverband
Rettungsdienst & Feuerwehralarmierung,
Ärzteschaft, Feuerwehr und
Technischem Hilfswerk, Führungskräfte sowie ehrenamtliche und hauptamtliche
Einsatzkräfte des Roten Kreuzes und der
Wasserwacht
– die Familie Kick,
die für die Entwicklung der Wasserrettung am Inn stehe, hieß Wiedemann mit
besonderer Freude im Hinblick auf die Bootstaufen willkommen und dankte den
Patinnen der neuen Boote gleich für die Ermöglichung der Namensgebungen.

 „Ein
besonders schöner Anlass, denn beide Einsatzdienste haben ja die Rettu8ng und
Versorgung von Menschen in Notlagen als Hauptaufgabe“, stellte der Rettungsdienstleiter
und stellv. Geschäftsführer des BRK-KV, Johann Haider, zur gemeinsamen
Fahrzeugsegnung mit der KWW heraus. Haider stellte den Gästen die zwei
Fahrzeuge der neuesten Generation vor, die am BRK-Standort Simbach a. Inn
eingesetzt werden: eines der vier baugleichen Notarzteinsatzfahrzeuge BMW X3
20d xDrive (Allrad-Standard-NEF Bayern) im BRK-Kreisverband und einen
Krankentransportwagen der neuen Baureihe Ford Transit Custom (KTW Bayern 2014
Novaris) für die BRK-Rettungswache.

 Der
Rettungsdienstleiter hatte dazu Fakten und Daten parat: Im Landkreis Rottal-Inn
fahren Notärzte mit dem NEF im „Rendezvoussystem” zusätzlich zum Rettungswagen
zur Einsatzstelle – inzwischen ist bei über 60% der Dienstzeiten ein NEF-Fahrer
des BRK-KV eingesetzt, was den erheblichen Vorteil hat, dass sich der
Notarzt auf seine medizinische Tätigkeit
konzentrieren kann.

Am Einsatzort versorgt und behandelt der Notarzt gemeinsam mit den
Rettungsdienstkräften die Kranken bzw. Unfallopfer – bei Bedarf begleitet er
den Patienten im Rettungswagen zum Krankenhaus bzw. ist gegebenenfalls wieder
für einen anderen Einsatz frei. Pro Jahr haben die Notärzte der drei Standorte
im Landkreis etwa 4.600 Einsätze zu bewältigen (Simbach 1.100, Pfarrkirchen
1.800, Eggenfelden 1.700), also durchschnittlich ca. 13 Alarmierungen am Tag.
Dabei legen die Fahrzeuge jeweils etwa 55.000 km
pro Standort und Jahr zurück.

 Der neue Krankenwagen Ford Transit Custom (auch landesweite einheitliche Beschaffung) ist
für den Transport nicht lebensbedrohlich erkrankter Patienten ausgestattet. Im
Landkreis Rottal-Inn führt das BRK jährlich etwa 10.000 solcher
Krankentransporte durch.

 Also kommt der BRK-KV einschließlich der
Notfalleinsätze der entsprechend sehr gut ausgestatteten Rettungswagen und der
Notarzteinsätze mit seinen insgesamt 16 öffentlich-rechtlichen
Einsatzfahrzeugen pro Jahr auf beachtliche 19.000 Einsatzfahrten, die sich zu
knapp einer Million gefahrener Kilometer summieren. Damit bei diesen hohen
Laufleistungen für alle Beteiligten auch eine hohe Einsatzsicherheit
gewährleistet ist, werden die Fahrzeuge im Regelfall nach vier Jahren und
220.000 km Laufleistung „ersatzbeschafft“.

 Ein besonderer Tag sei das für die Wasserwacht
nicht nur, weil zwei neue Fahrzeuge und zwei neue Boote den kirchlichen Segen
erhalten und die Boote getauft würden, sondern auch, weil damit die vor rund 14
Jahren eingeleitete strategische Entwicklung der ehrenamtlichen und doch sehr
professionellen Wasserrettung im Landkreis unter der Leitung der KWW ihren
Höhepunkt erreiche, erklärte deren Vorsitzender Hans Nothaft. „Mit der
Ausstattung der Standorte Eggenfelden und Postmünster an der Rott, am Inn in
Simbach und Prienbach sowie der vollen Einbindung der Feuerwehren Simbach und
Kirchdorf sind wir sehr gut aufgestellt“, unterstrich Nothaft – das THW gehöre
als unverzichtbarer Partner der Wassereinsatzkräfte auch dazu. Der ÖBK AG
dankte der KKW-Vorsitzende für die Überlassung von Räumen und Gelände – denn
„wir haben hier optimale Voraussetzungen für die Wasserretterausbildung.

 So konditionell top fit, schwimmerisch stark,
ausdauernd und sehr gut ausgebildet wie Wasserretter seien, so modern, absolut
durchdacht, zweckmäßig und erprobt sei mittlerweile die ihnen für ihren
„unbezahlbaren Einsatz“ zur Verfügung stehende „Hardware“, leitete Nothaft zur
vollzogenen Abrundung des Beschaffungskonzeptes mit den aktuellen
Indienststellungen über. Den Anforderungen im Innraum – wie Einsatz in den
Auen, auf Kiesbänken, in unwegsamem Gelände, bei Hochwasser (Boote) – und der
Mitwirkung im Katastrophenschutz-Zug Ostbayern werden die Neuanschaffungen
vollauf gerecht: der DB-Hochdach-Sprinter (3,5 t, Differenzialsperre, viel
Stauraum) und das Motorrettungsboot (5,50 m Länge, 900 kg Zuladung bzw. 7
Personen) mit Bugklappe und 115 PS Außenbordmotor für die Schnelleinsatzgruppe
Prienbach – der DB-Allrad-Sprinter (3,5 t) und das zweite baugleiche Boot für
die SEG Simbach a. Inn. Bugklappenboote sind für ihr Einsatzgebiet und
Hochwassereinsätze optimiert. Der KWW-Vorsitzende stellte heraus, dass die hochmodernen
Antriebe der Fahrzeuge und Boote bestmögliche Abgas- und Verbrauchswerte
erreichen.

 Zur Namensgebung bei der Bootstaufe erklärte
Nothaft, die KWW ehre damit weitere verstorbene Mitglieder für deren
außergewöhnliches Engagement und halte sie der Nachwelt in Erinnerung: Das Boot
für die WW Prienbach wird auf den Mann der ersten Stunde der Wasserwacht am
Inn, auf „Josef Kick“, getauft –
Josef Kick,
der 2003 verstarb, hat die Ortsgruppen Prienbach (vor 50 Jahren) und Ering
gegründet und sie lange Jahre mit großem Einsatz geleitet. Das Boot für die WW
Simbach wird auf „Peppi“ Kick getauft – Josef „Peppi“ Kick jun, der 2010
verstorben ist, war mit großem Engagement langjähriger Vorsitzender der
Ortsgruppe Simbach und als stellv. Technischer Leiter der KWW mit an der
strategischen Ausrichtung und damit an der Sicherung der Zukunft der
Wasserwacht beteiligt. „Diese Bootstaufe ist die richtige Würdigung für zwei
wirklich große und verdiente Männer der Wasserwacht, die sich durch Weitblick
und strategisches Denken auszeichneten, was sie zu angesehenen und sehr
geschätzten Persönlichkeiten und Kameraden machte“, bekräftigte der
KWW-Vorsitzende. Ihre Verdienste seien auch auf Tafeln auf den Booten
festgehalten und der Name Kick bleibe so für weitere lange Jahre mit der
Wasserwacht verbunden.

 Stellv. Landrätin Edeltraud Plattner stellte die
Synergieeffekte im Verbund Rotes Kreuz/Wasserwacht heraus und beglückwünschte
die Einsatzdienste, auch im Namen von Landrat Micheael Fahmüller
(BRK-Kreisvorsitzender) zu den Neuanschaffungen. Bestes Material sei eine
Notwendigkeit für die Einsatzkräfte bei ihrer lebensrettenden Hilfe in
Notfällen. Allen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Rettungskräften dankte
Plattner für’s große Engagement im Dienst am Nächsten, dem BRK-KV überreichte
sei eine Spende.

Die
ökumenische Fahrzeugsegnung, in die sie vor allem die Notfallpatienten
einschlossen, nahmen Pfarrer Viktor Meißner und Kaplan Fabian Feuchtinger vor –
treffend zogen sie dazu das Gleichnis vom barmherzigen Samariter aus dem Evangelium
des Lukas heran. Auch die Fürbitten galten im Sinne des
biblischen Aufrufs zur tätigen Nächstenliebe nicht nur den Hilfe bringenden
Fahrzeugen sondern auch dem Schutz für die Retter und den Patienten, denen ihre
Notfalleinsätze gelten sowie der gegenseitigen Hilfsbereitschaft unter den
Menschen.

 Die Bootstaufen führten die Witwen der Namensgeber mit Innwasser
aus Kübelspritzen durch, Brunhilde Kick für das Rettungsboot „Josef Kick“ und
Simbachs 3. Bgm. Christa Kick für das Rettungsboot „Peppi Kick“ – für den
nötigen Druck sorgten an den Pumpen die WW-Vorsitzenden Güter Eiblmeier
(Prienbach) und Uli Auer (Simbach). Brunhilde und Christa Kick dankten der
Wasserwacht, der sie zudem jeweils eine Spende übergaben, für die würdigenden
Namensgebungen – diese große Geste der Verantwortlichen sei eine Ehre und
Anerkennung, durch die ihre verstorbenen Gatten in der Erinnerung lebendig
bleiben würden. KWW-Vorsitzender Hans Nothaft überreichte den Damen als Zeichen
der Wertschätzung schöne große Blumensträuße.

 Alle Redner wünschen den Rettungskräften viel Erfolg und allzeit
eine unfallfreie Fahrt sowie den Bootsbesatzungen stets die nötige Handbreit
Wasser unter dem Kiel. Ein gemütliches Beisammensein bei Speis und Trank in der
ÖBK-Hütte rundete die Feier ab – und Gesprächsstoff, ob über vergangene Zeiten
oder die gelungene Ausrichtung auf künftige Anforderungen, gab’s ja reichlich.

 Namentlich
begrüßt hatte BRK-Kreisgeschäftsführer Herbert Wiedemann u.a. auch:

die Verbandsräte des Landkreises Rottal-Inn im Zweckverband für
Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung PA, Elmar Buchbauer (
Bgm. v. Julbach) u. Helmuth Lugeder (weiterer stellv. Landrat), die
Bürgermeister Klaus Schmid (Simbach a. Inn), Willibald Galleitner (Stubenberg)
und
Johann Springer (Kirchdorf a. Inn), Kreisbrandrat Johann Prex stellvertretend für die
Feuerwehren, THW-
Ortsbeauftragten Wolfgang Plietsch
(Simbach a. Inn), den stellv. Leiter der Polizeiinspektion Simbach a. Inn,
Dienstgruppenleiter Max Allgeier sowie Helmut Schmidt, Ehrenmitglied der
Wasserwacht Bayern.
             – lb