Postmünster. Die Flussseeschwalben (Sterna hirundo) haben das Nistfloß als Inselersatz auf dem Rottauenstausee in den letzten beiden Jahren so gut als Sommerheimat und Brutplatz angenommen, dass die Wasserwacht Postmünster ihr Wohnprojekt für die geschickten Stoßtaucher mit einer zweiten schwimmenden Plattform auf doppelte Größe gebracht hat.

„Diese Erweiterung ist notwendig geworden, weil das Floß letztes Jahr mit etwa 15 Brutpaaren schon voll belegt war und einige Paare auf die seichte Insel ausweichen mussten, die aber schon bei einem kleineren Hochwasser überschwemmt ist“, erklärt Hubert Szücs, Beauftragter G.N.U. (Gewässer, Natur , Umweltschutz) der Wasserwacht, der schon 2011 Initiator des Floßprojekts war – „außerdem haben wir gehofft, dass der Nachwuchs aus dem vergangenen Jahr, immerhin etwa 18 Jungvögel, die lange Reise ins Winterquartier in den Tropen oder gemäßigten Breiten und wieder zu uns gut überstehen“, erläutert der stellv. Vorsitzende der Ortsgruppe der Wasserwacht weiter.

Im Binnenland findet die Flussseeschwalbe, deren Verbreitungsgebiet auch der Klimawandel einschränkt, immer weniger ungestörte Plätze – nur noch in Ausnahmefällen, heißt es in Veröffentlichungen –  deshalb richten Vogelfreunde den auf Kies brütenden Wasservögeln als Inselersatz solche mit einer Kiesauflage versehenen Nistplätze ein, die auf Binnengewässern an geeigneten Stellen verankert werden. Die Flussseeschwalben fühlen sich auf diesen Brutplätzen, zu denen kein Raubwild gelangen kann, sehr wohl.

Die Entwicklung und die Bedürfnisse der Sommerpopulation der Flussseeschwalben im Rottauenseegebiet begleitet Hubert Szücs auch als Vorsitzender der Kreisgruppe des Landesbundes für Vogelschutz mit großem Interesse – die Wasserwacht Postmünster hatte ja mit Hilfe des LBV den schwimmenden Brutplatz eingerichtet. Gegenüber 2011 bewohnten 2012 nach seinen Beobachtungen um die Hälfte mehr Brutpaare das Nistfloß und die Zahl der Jungvögel hat sich verdreifacht.

Angesichts der erfreulichen Entwicklung, „dass dieser in Bayern schon seltene Brutvogel bei uns ein fester Sommergast ist“, trat das Floß-Team heuer erneut in Aktion und nach bewährter Vorlage entstand das knapp vier mal zwei Meter große zweite Floß.

Die meiste Arbeit übernahm Christian Kögl, Technischer Leiter der Wasserwacht Postmünster, mit dem Bau der knapp 220 Kilo schweren Rahmen- und Plattformkonstruktion – mit Zuschneide- und Schweißarbeiten war er 12 Stunden beschäftigt. Weiter die Montage der Plattform auf den Schwimmkörpern (zwölf 200-Liter-Kuststofffässer) und noch Schubkarren für Schubkarren eine gute Tonne Kies darauf verteilen sowie die Umrandung anbringen: besonders stark im Einsatz waren dabei auch Alexander Szücs, Manuel Neumayer und Hubert Szücs. Die gesamte Arbeitszeit hat sich auf gut 35 Stunden summiert.

Das im Bootshafen zu Wasser gelassene Nistfloß wird schließlich hinaus auf den See zu der bereits zum westlichen Biotopbereich hin verankerten schwimmenden Insel bugsiert und mir ihr zu einer L-Form verbunden. Die Schilder „Bitte nicht betreten“ sind ernst zu nehmen, unterstreicht Naturschutzbeauftragter Hubert Szücs nochmals.

Finanziert wurde die zweite Nistfloßaktion von der Kreiswasserwacht Rottal-Inn, bei der sich Hubert Szücs als Beauftragter G.N.U. ganz herzlich bedankt. „In unserer Kreiswasserwacht steht der Naturschutz nämlich nicht nur in den Statuten sondern wird praktiziert sowie von der Vorstandschaft bestens unterstützt und gefördert“, betont er.

Besonders erfreulich ist für ihn und das ganze Nistfloß-Team, dass sich inzwischen gut 40 Flussseeschwalben um die künstliche Insel oder auf ihr tummeln . „Unsere Hoffnung, die Kleinen des vergangenen Jahres haben die Reise gut überstanden, hat sich wohl erfüllt“, schließt Hubert Szücs aus dem Andrang. Jetzt wünschen sich alle für die gefiederten Freunde noch einen schönen Sommer und einen guten Bruterfolg 2013.

Weitere Informationen sowie Führungen und Vorträge: Hubert Szücs, Tel. 08561/3835, E-Mail: hubert.szuecs@web.de  – von Willi Kolb